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Straßenlaterne auf Wanderschaft

(von Marlies Lansche)

In einer kleinen Stadt stand einmal eine Straßenlaterne. Es war noch eine der alten Sorte, mit Verschnörkelungen und eigentlich sehr schön, aber sie war eben die einzige alte Straßenlaterne.

Als jetzt abends die Laternen leuchteten, fing das Getuschel unter den anderen, modernen Straßenlaternen an. „Seht mal, diese alte, trübe Funzel" oder „bei der ihrem Licht kann man ja nicht mal einen Elefanten von einer Ameise unterscheiden“. So beschimpften sie die alte Laterne.

Die alte Laterne ließ einen tiefen Seufzer los, ließ ihren Kopf immer tiefer sinken und dachte "so kann das nicht mehr weitergehen". Kurzentschlossen machte sie sich auf den Weg und verließ die Stadt.  Es war mitten in der Nacht, niemand bemerkte, dass die alte Straßenlaterne fehlte.

Sie ging querfeldein und dachte, welch ein Glück sie doch hätte, dass sie leuchten konnte, so stolperte sie schon nicht. Doch mit der Zeit wurde sie müde, denn dieses lange Laufen war sie ja nicht gewohnt.  "Jetzt kann ich eigentlich mal an eine Rast denken", dachte sie bei sich.

Als sie sich dann so umsah, war sie mitten in einem großen Wald.  Schön ist es hier, ganz anders als in der Stadt, diese gute Luft und die vielen dunkeln Straßenlaternen, die leuchten hier ja gar nicht.  Die Bäume sagten zu Ihr : “Wir können nicht leuchten, wir Bäume sind für die gute Luft zuständig.“ „Ach so ist das" sagte die Straßenlaterne „Hier gefällt es mir viel besser als in meiner alten Stadt. Wenn ich doch nur hierbleiben könnte."

Die Bäume sagten wie aus einem Munde: “So bleib doch, wir könnten dich gut gebrauchen, dann ist es endlich nicht mehr so finster in unserem Wald." Die Straßenlaterne freute sich riesig und strahlte plötzlich viel heller als sonst.  Auch die Waldtiere kamen heran und tanzten um die Straßenlaterne herum.  Es wurde ein großes Fest gefeiert.

So kam es, daß es im Wald, hinter der Stadt, deren Name ich vergessen habe , es nie mehr ganz dunkel wurde.  Wenn ihr es nicht glaubt, dann schaut doch selbst nach. Den Weg dorthin habe ich allerdings auch vergessen.


 

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